Erster Entwurf, Mai 2026:
Endlose Datenmengen meiner Gedanken irgendwo in einer Cloud.
Vom Datenstrom mitgerissen, verschwinden auch die Kostbaren in einem Ordner, und der wiederum in einem Ordner, in einem Ordner, in einem Ordner.
Ein festgehaltener Gedanke ist eben nur so bedeutsam wie die Antwort auf die Frage „Festgehalten für wen?“
Nur für dich im hier und jetzt, damit der Gedanke nicht mehr in dir ist?
Für eine spätere Version von dir, die vergessen hat, woher sie kommt?
Für ein anonymes Publikum verstreut übers Land, Demografie und Lebensalter?
Für einen Menschen, der dir mal viel bedeutet hat, dem du all das aber nicht mehr sagen kannst?
Für einen Menschen, von dem du hoffst, dass er irgendwo da draußen existiert?
Oder doch für eine Maschine, die dich langsam daran gewöhnt, das Selbst-Denken und Schreiben aufzugeben?
Ein festgehaltener Gedanke ist eben nur so bedeutsam wie die Antwort auf die Frage „Festgehalten für wen?“
Meine persönliche Antwort auf diese Frage zeigt, wie fragmentiert meine Absichten geworden sind.
„Ich schreibe doch für mich“ würde ich sagen und adressiere heimlich meine Skeptiker.
„Ich schreibe für meine engste Community“ würde ich sagen und adressiere heimlich die Hater.
„Ich schreibe doch für die Liebe“ würde ich sagen und adressiere heimlich das Geliebt-Werden.
Wie würde ich für jemanden schreiben, der einfach bleibt?
Für jemanden, den ich nicht an einen Haken bekommen oder unterhalten muss. Für jemanden, der mir seine Aufmerksamkeit schenkt, statt sie zum Abschuss freizugeben. Wie ein Holzente, die in den Himmel fliegt und von mir als Künstler anvisiert und getroffen werden muss.
Wie würde ich für jemanden schreiben, der einfach bleibt?
